Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Präsentation des Historischen Ortsnamenbuchs Staffelstein

Am 14. November 2007 wurde im Museum der Stadt Staffelstein das Historische Ortsnamenbuch Staffelstein von Dorothea Fastnacht der Öffentlichkeit vorgestellt.

Fastnacht, Dorothea: Staffelstein. Ehemaliger Landkreis Staffelstein. (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Oberfranken. Band 5: Staffelstein). Kommission für Bayerische Landesgeschichte. München 2007. 144 und 596 Seiten, 1 Karte, EUR 74

Nach Grußworten des Ersten Bürgermeisters der Stadt Staffelstein, Jürgen Kohmann, und des Landrates des Landkreises Lichtenfels, Reinhard Leutner, sowie einer kurzen Einführung durch Prof. Dr. Horst Haider Munske, Mitglied der Kommission für bayerische Landesgeschichte, hielt die Autorin des Ortsnamenbuchs, Frau Dr. Dorothea Fastnacht, einen Vortrag, in dem sie anhand exemplarischer Ortsartikel Ziel und Aufbau, methodische Grundlagen und interdisziplinäre Vernetzung ihres Werkes anschaulich vorgestellt hat. Die regionale Presse hat darüber ausführlich berichtet.
Das nachhaltige Interesse, mit dem dieser Vortrag aufgenommen wurde, hat gezeigt, wie wichtig es ist, die landesgeschichtliche Forschung gleichsam am Ort des Geschehens zu präsentieren. Gerade die Geschichte und sprachwissenschaftliche Deutung der Ortsnamen ist geeignet, die Einbettung lokalgeschichtlicher Phänomene in übergreifende geographische, archäologische und siedlungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Darum wird der Vortrag von Frau Fastnacht im Folgenden einem weiteren Interessentenkreis bekannt gemacht.

Das 'Historische Ortsnamenbuch von Bayern' ist neben dem 'Historischen Atlas von Bayern' das traditionsreichste Werk der Grundlagenforschung der Kommission für Bayerische Landesgeschichte. Die Planungen begannen in der Kommission unmittelbar nach dem Krieg. Bereits 1952 erschien der erste Band für den Stadt- und Landkreis Kulmbuch von Erich Freiherr von Guttenberg. Inzwischen sind weitere 28 Bände erschienen, zahlreiche befinden sich in Bearbeitung.
Die Zielsetzung dieses Werkes war zunächst eine überwiegend historische. An Hand der Geschichte der Ortsnamen aller bestehenden und aller abgegangen Siedlungen in Bayern sollte vor allem ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte geleistet werden. Diese Aufgabe hat sich seit den 70er Jahren deutlich in zwei Richtungen erweitert. Die eine betrifft die sprachwissenschaftliche Seite der Ortsnamen. Denn die historischen Namensformen sind nicht nur ein Zeugnis der Besiedlungsgeschichte, sie repräsentieren zugleich ein Stück regionale Sprachgeschichte, die von den ältesten Belegen des Mittelalters bis zu den heutigen Mundartformen reicht. Sie sind überdies ein wertvoller Materialfundus für die Namenforschung.
Die andere Erweiterung betrifft die umfassende Einbeziehung der geographischen Grundlagen, der Vorgeschichte mit ihren archäologischen Zeugnissen und der historisch bezeugten Siedlungsgeschichte des Raumes. Sie sind das Umfeld, in welches die Geschichte der Orts- und Gewässernamen eingebettet ist.

Die thematische Ausweitung des Historischen Ortsnamenbuches hat auch zu einer Vergrößerung des Umfangs geführt. So umfaßt der Band Staffelstein ingesamt 740 Seiten. Allein 130 Seiten sind der siedlungsgeschichtlichen Einleitung des Ortsnamenbuches gewidmet, die 224 Ortsartikel mit ihren zahlreichen Quellenbelegen machen 433 Seiten aus. Hinzukommen 163 Seiten Literaturverzeichnis und Register.

Da die Planung und Einteilung des Historischen Ortsnamenbuches vor der Gebietsreform 1972 erfolgte, hat sich in diesem Werk die Gliederung nach den Altlandkreisen der acht bayerischen Regierungsbezirke erhalten. So lebt im vorliegenden Werk der ehemalige Altlandkreis Staffelstein fort. Auf der beiliegenden Karte ist er dokumentiert.

Die Autorin, Dorothea Fastnacht, ist ein lebendiges Beispiel für die Attraktivität historischer Grundlagenforschung. Nicht nur das vorgestellte Buch, auch sie selbst ist eine Besonderheit. Sie hat in der Mitte ihres Lebens, sobald ihre Kinder ihr etwas Freiraum gestatteten, ein Promotionsstudium der Bayerischen Landesgeschichte und der Germanistischen Linguistik aufgenommen und dann 1989 mit der Bearbeitung des Ortsnamenbuches Ebermannstadt begonnen. Nach 6 Jahren legte sie das Werk als Dissertation vor. Es wurde von der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg mit 'summa cum laude' bewertet. 1997 ist dieses Ortsnamenbuch im Druck erschienen. Kaum fertig hat Frau Fastnacht mit dem Ortsnamenbuch Staffelstein angefangen und es wiederum nach 7 Jahren abgeschlossen. Und vor zwei Jahren hat sie mit der Bearbeitung des Ortsnamenbuches Erlangen begonnen. Damit verspricht sie die erfolgreichste Autorin dieser anspruchsvollen wissenschaftlichen Reihe zu werden. Gerechterweise sei jedoch hinzugefügt, daß sie in dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Kommission, Herrn Dr. Schuh, einen kongenialen Berater gefunden hat. Er hilft allen Bearbeitern die schwierige Allianz von Landesgeschichte, historischer Sprachwissenschaft und Onomastik zu bewältigen.
Wir wünschen uns, daß die Historischen Ortsnamenbücher Bayerns nicht nur in den wissenschaftlichen Bibliotheken stehen sondern daß sie auch das heimatkundliche Interesse vieler Menschen in den betreffenden Regionen finden.

Prof. Dr. Alois Schmid
1. Vorsitzender der Kommission für bayerische Landesgeschichte

Prof. Dr. Horst Haider Munske
Schriftleiter für das Historische Ortsnamenbuch von Bayern, Ober-, Unter- und Mittelfranken

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© Kommission für bayerische Landesgeschichte, 14.06.2004; letzte Änderung: dj, 05.02.2014. Webmaster