Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Wolfgang Altgeld / Matthias Stickler (Hg.)

"Italien am Main". Großherzog Ferdinand III. von Toskana als Großherzog und Kurfürst von Würzburg

(Historische Studien der Universität Würzburg 7 = Mainfränkische Studien 75), Rahden/Westf. 2007, Marie Leidorf, 165 Seiten, 20 Abbildungen

Rezensiert von Dieter J. Weiß (Bayreuth)      PDF-Datei


Zum 200. Jahrestag des Regierungsantritts Erzherzog-Großherzog Ferdinands III. von Österreich-Toskana als Großherzog von Würzburg, der für das ehemalige Hochstift zwischen 1806 und 1814 nochmals eine Zeit der Selbständigkeit bedeutete, veranstaltete der Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Julius-Maximilians-Universität am 13. Mai 2006 ein Symposion im Toscanasaal der Würzburger Residenz. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge von Würzburger Historikern und Kunsthistorikern sowie auswärtigen Spezialisten, die alle durch eigene Forschungen zu dieser Thematik ausgewiesen sind.
Wolfgang Altgeld liefert eine Tour d'horizon der europäischen Staatenwelt von 1797 bis 1814 und der Auswirkungen der großen Umwälzungen auf den Raum des heutigen Unterfranken. Der Würzburger Großherzog Ferdinand wurde 1769 als Sohn des späteren Kaisers Leopold II. und der Marie Luise von Neapel-Sizilien in Florenz geboren; er wurde zum Begründer der habsburgischen Sekundogenitur Österreich-Toskana. Matthias Stickler beleuchtet kenntnisreich die verschiedenen Linien des Hauses Österreich (besser als "Habsburg"), wobei die italienischen Zweige der Dynastie im Mittelpunkt stehen. Ihre Schicksale werden auch nach dem Verlust ihrer Souveränitätsrechte nachgezeichnet. Eindrucksvoll kann er die Bedeutung des Familienverbands und der monarchischen Souveränität auch noch im 19. Jahrhundert ausarbeiten. Rudolf Lill beleuchtet die Entwicklung der Toskana in der von französischer Besatzung unterbrochenen Regierungszeit Großherzog Ferdinands III. von 1791 bis 1799 und von 1814 bis 1824, wobei er die Modernität der habsburgischen Herrschaft und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Landes betont. Der Biograph des Erzherzog-Großherzogs Ferdinand, Dieter Schäfer, untersucht dessen politische Rolle im Spannungsfeld zwischen seinem Bruder Kaiser Franz I. von Österreich und Napoleon. Wolfgang Weiß widmet dem Verhältnis von Staat und Kirche in der Umbruchzeit von katholischer Aufklärung, die im Hochstift Würzburg besonders stark ausgeprägt war, zur katholischen Erneuerung des 19. Jahrhunderts eine eindringliche Studie. Er zeigt Ferdinand von Österreich-Toskana als einen persönlich frommen Fürsten des Ancien régime und Anhänger einer gemäßigten Aufklärung, dem eine radikale Säkularisation im Geiste von Montgelas fremd war. Peter Baumgart beurteilt in seinem Beitrag über die Universität Würzburg unter der großherzoglichen Herrschaft ihre Entwicklung eher kritisch. Als Darstellung der Gesamtgeschichte der Alma Julia Maximilianea sollte die Arbeit seines Schülers Peter A. Süß, Kleine Geschichte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität, Würzburg 2002, erwähnt werden. Harm-Hinrich Brandt analysiert die Entwicklungslinien der Innenpolitik des Großherzogtums Würzburg im Zusammenhang der Rheinbundstaaten bis in die königlich-bayerische Zeit, wobei er Würzburger Besonderheiten ausmachen kann. Verena Friedrich untersucht unter kunsthistorischen Aspekten Veitshöchheim und Werneck als Nebenresidenzen Großherzog Ferdinands. Stefan Kummer beschließt den Band mit einem souveränen Überblick der Kunstentwicklung Würzburgs in der Untersuchungszeit, die in der Neuausstattung von Teilen der Residenz und in den Bauten Peter Speeths kulminierte.
Insgesamt verdeutlicht der Band, daß weiterhin jede Beschäftigung mit Großherzog Ferdinand auf der Grundlagenforschung von Anton Chroust beruht. Den Herausgebern ist es aber gelungen, viele Aspekte zu vertiefen und vor allem die Bezüge zur italienisch-europäischen Entwicklung zu akzentuieren. So liegt eine gelungene Jubiläumsschrift zu den acht Jahren der toskanischen Herrschaft in Würzburg vor, die Würzburg-Mainfranken einen Nachsommer der Selbständigkeit beschert hatte.

Erschienen am 20.11.2007

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