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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Franz Fuchs/Pirmin Spiess (Hgg.)

Friedrich der Siegreiche (1425-1476). Beiträge zur Erforschung eines spätmittelalterlichen Landesfürsten

(Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz, Reihe B, Band 17), Neustadt/Weinstraße 2016, Selbstverlag, X + 366 Seiten
Rezensiert von Christof Paulus
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 06.02.2018

Mit Marc Aurel verglich jüngst Franz Fuchs den Kurfürsten Friedrich den Siegreichen, jenen schillernden Regenten der Pfalz, der die Grenzen seines Territoriums in fast alle Himmelsrichtungen, dabei wenig zimperlich, erweitern konnte, der ein ausgezeichneter Schachspieler gewesen sein soll, zudem ein großer Mäzen, der aber auch auf der Augsburger Reichsversammlung des Jahres 1474 in Acht und Aberacht gelegt wurde und unversöhnt mit Kaiser Friedrich III. im Dezember 1476 in Heidelberg verstarb. Ihm ist ein Sammelband mit vierzehn Beiträgen gewidmet, die auf eine Tagung des Jahres 2012 zurückgehen und die für die Drucklegung jedoch meist aktualisiert und durch ein zuverlässiges Orts- und Personenregister erschlossen wurden. Den Auftakt bildet eine Studie des Germanisten Jan-Dirk Müller, der sein an Maximilian I. erarbeitetes gedechtnus-Konzept auf den Hof des Wittelsbachers überträgt und vor allem bezüglich Matthias von Kemnats und Michel Beheims die Grenzen des Frühhumanismusbegriffs diskutiert, den er als Teil eines umfassenden sozialen, mentalitätsgeschichtlichen und staatlichen Wandlungsprozesses begreift. Volker Rödel umreißt die friderizianische Position im Reichsgefüge und analysiert schwerpunktmäßig dessen Aneignung der Kurrechte durch die „Arrogation“, die vormundschaftliche Adoption seines Neffen Philipp (geb. 1448, reg. 1449-1451, 1476-1508). Während die umfangreichen Ausführungen Olaf Wageners sich im Überblick der Belagerungstechniken Friedrichs annehmen, die jener in der Kurpfalz und den Nachbargebieten während seiner gesamten Herrschaftszeit einsetzte und dabei im stärkerer Maß als seine fürstlichen Zeitgenossen auch selbst militärisch beteiligt war, rücken vier weitere Beiträge einzelne Konflikte in den Mittelpunkt, die letztlich Friedrich auch seinen Beinamen einbrachten (besonders nach dem Sieg bei Seckenheim 1462): Carla Mayer untersucht dessen Beziehung zu den Württembergern, die sich aber auch in der dynastischen Heirat von Friedrichs ältester Schwester manifestierten. Hans Ammerich gibt einen Überblick zum Verhältnis des pös Fritz mit Ludwig dem Schwarzen von Pfalz-Zweibrücken, ehe Thorsten Unger den Weißenburger Krieg als Dreiklang wesentlicher Konstituenten in der Politik Friedrichs begreift, nämlich der Klosterreform, der Auseinandersetzung mit dem Reichsoberhaupt und dem Konflikt mit Pfalz-Zweibrücken. Wie empfindlich Friedrich reagierte, wenn man ihn als Verlierer darzustellen versuchte, erhellen exemplarisch die Ausführungen von Franz Fuchs zum Amberger Aufstand 1453/54, wo der Wittelsbacher ein blutiges Strafgericht abhielt.

Das Grundlegende des Bandes zeigt sich auch darin, dass mehrere Autoren ihren Beiträgen Editionen angefügt haben. Jörg Schwarz beschließt seine Ausführungen zu den regen diplomatischen und föderalen Kontakten nach Burgund mit der Edition eines Schreibens Karls des Kühnen an den berühmt-berüchtigten elsässischen Landvogt Peter von Hagenbach vom Juli 1470. Zwei kurze lateinische Texte aus kurialem Umfeld der Jahre 1453 und 1459 runden die Ausführungen von Tobias Daniels zur hohen Bedeutung des gelehrt-juristischen Elements für Friedrich den Siegreichen ab. Auch Christian Reinhardt fügt seinen Ausführungen zur polyfunktionalen Städtepolitik, welche ökonomisches Instrument und Element herrschaftlicher Verdichtung war, die Edition der Steuer- und Stadtordnung für Alzey (Heidelberg, 1458 März 10) bei. Mit einer vergleichbaren Thematik beschäftigt sich auch Pirmin Spieß, der die Privilegien für Neustadt zusammenstellt. Vor allem am Beispiel des Bistums Worms beleuchtet Joachim Kemper knapp Aspekte der reformerischen Klosterpolitik des Wittelsbachers. Klaus-Peter Schroeder charakterisiert die Wirkmächtigkeit der friderizianischen Universitätsreform in Heidelberg 1452, welche dieser zusammen mit seinem Kanzler Johannes Guldenkopf durchsetzte, die aber den Wegestreit innerhalb der Artistenfakultät nicht beilegen konnte. Auch als Kompensation eines gewissen reichsrechtlichen Defizits deutet Thorsten Huthwelker das (nicht mehr erhaltene) doppelstöckige Grabmal und die Grabkapelle Friedrichs des Siegreichen in der Heidelberger Franziskanerkirche. Insgesamt liegt ein instruktiver und vielfach auch grundlegender Sammelband vor, der hoffentlich weitere, nicht zuletzt kulturgeschichtliche Forschungen, so etwa zu den burgundischen Einflüssen auf Friederich den Siegreichen, zur Kirchenpolitik oder zur Hofwirklichkeit anzuregen versteht.