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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen

Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Franz Fuchs/Ulrich Wagner (Hgg.)

Bauernkrieg in Franken

(Publikationen aus dem Kolleg "Mittelalter und frühe Neuzeit" 2), Würzburg 2016, Königshausen und Neumann, 434 Seiten
Rezensiert von Alois Schmid
Erschienen am 08.12.2017

Der Bauernkrieg von 1524/25, dieses „größte Naturereignis des deutschen Staates“ (Leopold von Ranke), fand in der deutschen Geschichtsschreibung immer die gebührende Beachtung. Die 450. Wiederkehr der Ereignisse rückte ihn in den jüngsten Jahrzehnten noch mehr in das Blickfeld sowohl der Fachwelt als auch der interessierten Öffentlichkeit. Das gilt in besonderer Weise für die betroffenen Aktionsräume. Dazu gehört auch Franken, wo mit dem Marienberg zu Würzburg einer der Brennpunkte des militärischen Geschehens lag.

Diese wohlbekannte Tatsache nahmen die Universität Würzburg, das Mainfränkische Museum und das Stadtarchiv Würzburg zum Anlass, sich in einer Fachtagung (10./11. Oktober 2014) erneut mit diesem Markstein der fränkischen Geschichte auseinanderzusetzen. Als Referenten wurden überwiegend Mitglieder der veranstaltenden Einrichtungen tätig. Einzelne auswärtige Spezialisten lieferten Ergänzungen zu dieser international und interdisziplinär angelegten Veranstaltung. Der anzuzeigende Tagungsband bringt die Vorträge zur zeitnahen Veröffentlichung.

Die 17 Beiträge lassen sich zu drei Themenkomplexen zusammenfassen. Die zwei einleitenden Studien breiten die Grundlagen aus. Als Impulsreferate stellen sie Vorgeschichte und Voraussetzungen (Klaus Arnold) sowie den Forschungsstand (Tom Scott) vor. Natürlich geht es hier vornehmlich um die Überprüfung der Thesen des Nestors der deutschen Bauernkriegsforschung Peter Blickle. Der Hauptblock führt die Untersuchungen mit Erörterungen zur Rolle der Kirche (Helmut Flachenecker) und verfassungsrechtlichen Lage im Reich (Anuschka Tischer) unmittelbar an das Tagungsthema heran. Hans-Joachim Hecker bringt die rechtsgeschichtlichen Betrachtungen mit der Frage nach der Bedeutung der »Zwölf Artikel« und dem »Göttlichen Recht« unmittelbar mit dem Untersuchungsraum in Verbindung. Anja Amend-Traut wertet mit gleicher Blickrichtung die Quellen der höchsten Reichsgerichte aus. Rainer Leng thematisiert den Stand des Kriegswesens dieser Zeit und sucht mit Recht in der unterlegenen Führung sowie unzulänglichen Ausrüstung die Hauptgründe für das Scheitern der Bauernhaufen. Die meisten Beiträge bemühen sich um die weitere Erhellung des faktischen Geschehens. In diesem Sinne wird nach der Rolle der Bischofsstadt Würzburg (Ulrich Wagner) und des ihr zugeordneten Klerus (Johannes Merz) gefragt. Das Geschehen an diesem Hauptort wird den fränkischen Reichsstädten (Wolfgang Wüst) und dem Adel (Frank Kleinehagenbrock) gegenübergestellt. Walter Ziegler wirft einen Blick auf die völlig andersartige Entwicklung im benachbarten Herzogtum Bayern und rundet die Erörterungen mit diesem vielsagenden Vergleich hilfreich ab.

Eine weithin neuartige Perspektive bringen die abschließenden Beiträge zur Kulturgeschichte in die Diskussion. Es wird nach der Widerspiegelung des Kriegsgeschehens in der bildenden Kunst (Matthias Weniger) und im Speziellen im Werk Tilmann Riemenschneiders (Claudia Lichte) gefragt. Noch breiter kommt der Literaturbetrieb der Zeit mit dem Blick in Dichtung, Historiographie und Zweckliteratur (Horst Brunner, Joachim Hamm, Benjamin Heidenreich) zur Sprache. Diese Erörterungen weiten den Blick auf das Bauernkriegsgeschehen in Franken über das Faktische hinaus auf dessen Verarbeitung in Literatur und Kunst. Durch diese Fülle sehr heterogener Quellen wird das Geschehen unter sehr unterschiedlichen Blickwinkeln ungewöhnlich gut fassbar. Vor allem dieser kulturhistorische Blickwinkel verschafft dem Band eine besondere, ungewöhnlich aspektereiche Perspektive.

Die Beiträge sind von ausgewiesenen Fachleuten mit hoher Kompetenz verfasst. Sie bauen das regionale Geschehen auf der sicheren Grundlage umfassender Quellenstudien in den Archiven und Bibliotheken Frankens in den zugehörigen allgemeinen Kontext ein. Auf diesem Wege wird die sehr unterschiedliche Rolle der vielen Herrschaftsträger in der kleinteiligen Territorienwelt Frankens verdeutlicht. Das Bild des Bauernkrieges erfährt Vertiefung und Differenzierung.

Der vorzüglich redigierte Tagungsband bietet einen instruktiven Beitrag zur Bauernkriegsforschung. Er stellt die Beschäftigung mit einer der Kernregionen auf neue Grundlagen. Damit liefert er einen weiterführenden Baustein zur Auseinandersetzung mit dieser ersten Massenbewegung der deutschen Geschichte.