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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen

Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Barbara Hahn/Roland Baumhau­er/Dorothea Wiktorin (Hgg.)

Atlas Würzburg. Vielfalt und Wandel der Stadt im Kartenbild

Köln 2016, Emons, 240 Sei­ten, zahlr. Abbildungen, Karten
Rezensiert von Erich Schneider
Erschienen am 01.12.2017

Der Atlas Würzburg ist ein großes Buch, welches die üblichen Dimensionen eines Billy-Regals beinahe sprengt. Das ist vor allem den zahlreichen Karten ge­schuldet, die einfach Platz benötigen und gelegentlich sogar nach einem noch grö­ßeren Format verlangt hätten. Aber wahr­scheinlich ist ein profanes Kaufhausgestell für ein derart gewichtiges und kostbar aufgemachtes Buch mit Gold bedrucktem Einband auch nicht der richtige Ort. Viel­leicht darf diese mit opulenten Fotografien ausgestattete Publikation nicht im Bücher­schrank versteckt werden. Und doch greift man zu kurz, wenn man diesen Atlas von Würzburg als Teatable-Book charakteri­sieren wollte. Dazu ist es zu vielfältig und vielgestaltig und inhaltlich zu wenig glatt, was in diesem Fall als Lob zu verstehen ist. Die Stadt, die Julius-Maximilians-Univer­sität, die Stiftung Sparkasse Mainfranken und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der Helmholtz-Gemein­schaft e. V. haben sich zusammengetan, um kräftig Argumente für die Lebensqualität in Würzburg in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sammeln.

Zu Beginn weiß Christian Schuchardt Würzburg als stillen, dynamischen Star unter den deutschen Städten in ein strah­lendes Licht zu rücken. In seinem Ausblick am Ende skizziert er die wichtigsten po­litischen Aufgaben in der Gegenwart, um die Zukunft zu sichern. Sympathisch üb­rigens, dass weder der Oberbürgermeister noch die sonst übliche Prominenz im Bild erscheint. Abgebildet sind, wenn über­haupt, ganz normale Würzburger. Noch etwas mag auffallen: Obwohl dem Wein zwei Schuchardts Text illustrierende Bilder gewidmet sind, fehlt dieses Stichwort in seinem Vorwort. Das macht nichts, denn später wird der Weinkultur in einem eige­nen Kapitel gehuldigt.

Das Buch lebt ganz stark von den hervorragenden Abbildungen. Sie wer­den bis auf wenige Ausnahmen Andreas Bestle verdankt. Als einstiger Fotograf in städtischen Diensten kann er in den viel­fach großformatigen Aufnahmen aus dem Vollen schöpfen. Der Leser bemerkt es dankbar; dass Bestles Name im Verzeichnis der Mitwirkenden fehlt, muss wohl ein Versehen sein.

Als Herausgeber zeichnen Barbara Hahn, Roland Baumhauer, Dorothea Wiktorin und die Stadt Würzburg. Knapp hundert hochkarätige Autorinnen und Autoren haben sich zusammengetan, um »Vielfalt und Wandel der Stadt im Kar­tenbild« nachzuspüren. Der Klappentext spricht denn auch von »einer beispielhaften Kooperation von Wissenschaft, Verwal­tung und Bürgerschaft.« Unter der etwas vollmundigen Überschrift »Würzburg in der Welt« subsumiert das Buch zwei Bei­träge über die »Die Regiopole zwischen Metropolregionen« und über »Würzburg im gesamtbayerischen Vergleich. Es folgen ausführliche, von einer Vielzahl von Bei­trägen gestützte Kapitel zu Themenfeldern wie »Stadtgeschichte und Baukultur«, »Stadtnatur und Weinkultur«, »Vielfalt in den Stadtteilen«, »Verkehr und Wirtschaft« sowie »Gesellschaft, Bildung, Kultur«. In diesem letzten Kapitel sind dann so schein­bar entfernte Themen wie »Sport« und »Mord« versammelt. Die 26 Museen mit ihren 320 000 Objekten und über 550 000 Besuchern werden eher stiefmütterlich behandelt (zum Ausgleich spielen dafür die Kickers in der Erstauflage des Buches im Herbst 2016 noch in der Dritten Fußball- Bundesliga). Solche Akzentsetzungen darf man jedoch nicht vorschnell Autoren oder Herausgebern alleine vorwerfen. Die je­weiligen Stakeholders müssen vielmehr an ihren Stärken arbeiten und sie im Dienste der Stadtgesellschaft besser vermitteln.

Der Atlas Würzburg reizt zum Wider­spruch und fordert zur Reflektion auf. So knapp und bündig oder gar widersprüch­lich die angeschnittenen Themen behandelt sein mögen, so sehr lohnt es, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Alleine diese schein­bare Unvereinbarkeit macht das Buch aber wertvoll und notwendig. Der Atlas Würz­burg zeichnet ein glaubwürdiges Bild der Stadt in der Gegenwart und markiert da­mit die wichtigsten Aufgaben, denen sich die Metropole am mittleren Main in der nächsten Zukunft stellen muss. Wie auch immer, das belegt der Atlas ebenfalls ein­drucksvoll, Würzburg ist eine der lebens­wertesten Großstädte in Deutschland.