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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen

Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Karl Möseneder

Der Dom zu Passau. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit Fotografien von Dionys Asenkerschbau­mer

Regensburg 2015, Friedrich Pustet, 192 Seiten, 166 Abbildungen
Rezensiert von Egon Johannes Greipl
Erschienen am 01.12.2017

Karl Möseneder ist einer der besten Kenner der Passauer Kunstgeschichte, vor allem auch der Geschichte und Kunstgeschichte des Passauer Doms. Seit Möseneder im Jahre 1995 den monumentalen Band zur Geschichte dieser Kathedrale herausgab, hat sich der Stand der For­schung sicherlich in mancher Hinsicht erweitert oder konsolidiert, allerdings we­niger durch Neuentdeckung oder Neuin­terpretation schriftlicher Quellen als durch archäologische Befunde und Ergebnisse der Bauforschung. Insbesondere wegen der dürftigen Quellenlage für die Geschich­te des Bauwerks und seiner Ausstattung vor den katastrophalen Stadtbränden des 17. Jahrhunderts bleibt die Kenntnis für die Zeit der Spätantike und des gesamten Mit­telalters dennoch sehr lückenhaft.

Der handliche, hervorragend mit Bil­dern von Dionys Asenkerschbaumer aus­gestattete und in beispielhafter Allgemein­verständlichkeit geschriebene Band richtet sich sichtlich an eine breite Öffentlichkeit, genügt aber ebenso einem wissenschaftli­chen Anspruch, der sich insbesondere in der Aktualität der Darstellung, den sorgfäl­tigen Nachweisen und einem erschöpfen­den Literaturverzeichnis niederschlägt.

Der Löwenanteil des Buches befasst sich mit der Barockisierung des mittel­alterlichen Domes nach dem Stadtbrand von 1662 (S. 45–144). Erfreulich ist, dass die bisher vernachlässigte Bau- und Aus­stattungsgeschichte des 19. und 20. Jahr­hunderts eine solide, zum Teil erstmalige Darstellung erfahren; so beispielsweise die Aktivitäten des Bischofs Heinrich Hofstät­ter um die Mitte des 19. Jahrhunderts, die unterschiedlichen, mit den Entwurfszeich­nungen illustrierten Projekte für einen neuen Hochaltar und schließlich der neu­barocke Ausbau der Domtürme nach dem Ende des Kulturkampfes um 1890. Hier wird deutlich, dass Passau ein frühes Zen­trum der neubarocken Bewegung gewesen ist. Breiter Raum ist dem unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schon ab 1946 (!) konzipierten monumentalen, zunächst sehr umstrittenen Hochaltar von Josef Henselmann gewidmet, illustriert mit den Fotos der ersten Modellstudien. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfuhren die Ausstattung und Einrichtung des Doms umfassende Änderungen und Ergänzungen. Der Prospekt der Chororgel, das Chorgestühl, der Ambo und die Ka­thedra sind Arbeiten der Künstlerfamilie Hafner, deren Tätigkeit in den vergangenen Jahrzehnten viele Kirchenräume im Bistum Passau in einer tief greifenden Weise ge­prägt hat.

Karl Möseneder und Dionys Asen­kerschbaumer haben ein Buch vorgelegt, das für alle ein Gewinn ist, die sich einen knappen, gründlichen und wissenschaftlich aktuellen Eindruck von der Geschichte und der Kunstgeschichte des größten ba­rocken Kirchenbaus nördlich der Alpen, der Mutterkirche des einst größten Bistum im Heiligen Römischen Reich, verschaffen wollen.