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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte

Karl Hausberger (Bearb.)

Das Bistum Regensburg 1. Die Regensburger Bischöfe von 1649 bis 1817

(Germania Sacra Dritte Folge 13. Die Bistümer der Kirchenprovinz Salzburg), Berlin/Boston 2017, De Gruyter Akademie Forschung, 475 Seiten
Rezensiert von Dieter J. Weiß
Erschienen am 09.10.2017

Das vorliegende Werk stellt in mehrfacher Hinsicht ein Novum dar: Es bildet den ersten Band zum Bistum Regensburg und den ersten Band einer Bischofsreihe der Kirchenprovinz Salzburg. Damit ist es dem 100jährigen Forschungsunternehmen der Germania Sacra, mittlerweile einem Projekt der Union der Akademien in Deutschland bei der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, gelungen, einen wichtigen Beitrag zur „Dritten Folge“, die sich auf Diözesen mit den Bischofslisten und Domstiften konzentriert, zu erbringen. Der erste Teil der Regensburger Bischofsreihe setzt allerdings nicht mit den Anfängen der Diözese, sondern mit dem Pontifikat von Franz Wilhelm von Wartenberg (1649-1661) nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ein und reicht bis zum Tode Karl Theodor von Dalbergs (1803-1817). Dies bildet eine weitere Besonderheit, weil er damit über die Säkularisation ausgreift, die in Regensburg erst 1810 vollendet wurde.

Karl Hausberger stellt dem Band eine ausführliche Einleitung zum Bistum und Hochstift, zum Domkapitel sowie zu den Bischöfen und Weihbischöfen von Regensburg in der frühen Neuzeit voran, in der er auch knapp die Quellen- und Forschungslage behandelt. Im Zentrum stehen die Viten der 13 Fürstbischöfe des Untersuchungszeitraums, für die Hausberger ein vereinfachteres Schema entworfen hat als es in den früheren Germania Sacra Bänden angewendet wurde und das an die Besonderheiten der einzelnen Biographien angepasst wird. Alle wesentlichen Aspekte werden berücksichtigt: Herkunft, Ausbildung und früher Werdegang – Wahl und Weihe resp. Bestellung zum Koadjutor – Wirken in anderen Diözesen – Belange des Bistums – Belange des Hochstifts – Kriegsgeschehen und politische Besonderheiten – Belange der Klöster – Frömmigkeits- und kulturgeschichtliche Aspekte - Verhältnis zum Domkapitel – Verhältnis zur Reichsstadt Regensburg – Verhältnis zu Kurbayern – Tod und Begräbnis – Würdigung – Siegel und Wappen. Auch längerfristige Entwicklungen wie die allmähliche Durchsetzung absolutistischer Regierungsformen oder die Intensivierung der Seelsorge im 18. Jahrhundert werden deutlich.

Die besondere Problematik Regensburgs besteht darin, dass die meisten Bischöfe des Untersuchungszeitraums in Personalunion anderen, meist größeren und bedeutenderen Bistümern vorstanden. Die Bischöfe aus dem Hause Bayern Albrecht Sigmund (1668-1685), Joseph Clemens (1685-1715), Clemens August (1716-1719) und Karl Theodor (1719-1763) sowie der Verwandte Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1763-1768) betraten während ihrer Pontifikate Regensburg überhaupt nicht oder hielten sich hier nur kurz auf. Entsprechend beanspruchen die Regelungen der Bistums- und Hochstiftsadministration breiten Raum der Darstellung. Für die Tätigkeit der Fürstbischöfe außerhalb der Diözese Regensburg konzentriert Hausberger sich auf die wichtigsten Angaben und Literaturhinweise. Der bedeutendste Bischof war wohl Franz Wilhelm von Wartenberg (1649-1661) aus einer Wittelsbacher Nebenlinie, der nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges die Rekatholisierung der Oberpfalz und die Reorganisation der Diözese energisch durchsetzte. Ähnlich prägend für die Diözese wurde erst ein Bischof des Aufklärungszeitalters, Anton Ignaz von Fugger-Glött (1769-1787), der sich um die Intensivierung der Seelsorge und des Katechismusunterrichts bemühte. In jeder Hinsicht eine Sonderrolle nimmt der Mainzer Kurfürst Karl Theodor von Dalberg ein, der nach der Säkularisation seines Kurstifts als Protektor des Rheinbundes zunächst als Landesherr und zwei Jahre nach dem Tode des letzten Fürstbischofs von Regensburg, Joseph Konrad von Schroffenberg (1790-1803), auch als Erzbischof nach Regensburg transferiert wurde. Mit seiner Regierung bis 1810 und seinem Pontifikat bis 1817 überdauerte in Regensburg ein Stück der alten Reichskirche auch nach Säkularisation und Mediatisierung.

Die zeitweise jahrzehntelange Abwesenheit von regierenden Fürstbischöfen, die noch dazu den Empfang der höheren Weihen vermieden, aus Regensburg ließ den Weihbischöfen und Diözesanadministratoren große Bedeutung für die Diözese zukommen. Während des 18. Jahrhunderts stammten diese aus dem Kreis des adeligen Domkapitels und widerlegen damit die häufig vorkommende Behauptung, adelige Domkapitulare wären an der Wahrnehmung seelsorgerlicher Aufgaben nicht interessiert gewesen. Freilich wurde die Attraktivität des Amtes durch die Einflussmöglichkeiten in Abwesenheit der Fürstbischöfe gesteigert. Hausberger erarbeitet die Biogramme von zehn Weihbischöfen. Am bedeutendsten war wohl Domkapitular Gottfried Langwerth von Simmern (1717-1741), der sich um die Neubelebung und Vertiefung des religiösen Lebens bemühte und für die Anfertigung einer umfassenden Pfarrbeschreibung (Designatio parochiarum) sorgte. Der letzte Weihbischof der Reichskirche, Johann Nepomuk von Wolf (1802-1821), avancierte 1818/22 zum ersten Regensburger Bischof (1822-1829) im Königreich Bayern und trug somit wesentlich zur Kontinuität bei.

Ein umfangreiches Orts- und Personenregister erschließt die Arbeit. Es belegt die Lebendigkeit der Grundlagenforschung zu Regensburg, dass nahezu gleichzeitig mit dem Germania Sacra Werk der Band „Die Inschriften des Regensburger Doms von 1501 bis 1700“, bearb. von Walburga Knorr und Werner Mayer in der Reihe „Die Deutschen Inschriften 95, Münchener Reihe 17“ erschienen ist, der einige Inschriften auf Stiftungen und Epitaphien von Fürstbischöfen enthält, die nicht mehr aufgenommen werden konnten. Man kann nur hoffen, dass bald auch die Germania Sacra Bände für die vorausgehenden Epochen erscheinen, die dann einen ausführlichen Überblick der Quellen und der Archivgeschichte enthalten werden. Für die Regensburger Bischofsreihe ist ein gewichtiger Anfang gemacht.